Häkeln/Amigurumi

Das „Frida-Projekt“ – Teil 1

Dieses Projekt ist das Vorhaben ein sehr großes Amigurumi zu häkeln, nicht irgendeins und nicht einfach so. Es wird spannend, vielleicht anstrengend aber in jedem Fall eine Grenzerfahrung für mich. In den kommenden Monaten werde ich euch über alle Details und Vorkommnisse informieren und euch von der ersten Skizze bis zur Naht auf diese Reise mitnehmen. Und heute zeig ich euch…

Teil 1: Vom Künstler sein

Vor einigen Wochen wurde ich auf einen Aufruf aufmerksam, bei dem Häkel- und Strickkünstler für eine Ausstellung gesucht wurden. Ich musste überhaupt nicht überlegen und hab mich ohne ewig großes informieren einfach angemeldet. Eine Idee habe ich schon lange in meinem Kopf ausgebrütet und die wollte da raus. Eine Arbeit aus meinem Herzen heraus, ein Wunsch, den ich mir einfach selbst erfülle ohne einen Anstoß von außen. So gern wollte ich einfach mal ein Projekt erarbeiten, bei dem meine Kreativität herausgefordert wird, etwas bei dem ich meine Grenzen teste und vor allem eine Arbeit, die mich als Künstlerin reizt.

Häkelanleitung: Mini Frida

Kopf

1.Rd                      mg. Ring (6)

2.Rd                      jd. 1.fM verdoppeln (12)

3.Rd                      jd. 2. fM verdoppeln (18)

4.Rd                      jd. 3. fM verdoppeln (24)

5.-10.Rd               24 fM

Augen zw. 6. u. 7.Rd. anbringen, nach und nach füllen

11.Rd                    jd. 3.u.4. fM abnehmen (18)

12.Rd                    jd. 2.u.3. fM abnehmen (12)

13.Rd.                   jd. 1.u.2. fM abnehmen (6)

Öffnung zunähen, mit Restfaden Nase aufsticken

Jetzt könnte man die Diskussion führen, was mich zu einem Künstler macht. Wer entscheidet über sowas? Bist du nicht einfach nur ne Häkelmuddi, wie alle anderen auch? Ist das vielleicht ein bisschen zu hoch gepokert oder sogar vermessen? Ist man nicht erst ein Künstler, wenn man nationales oder sogar weltweites Ansehen erreicht hat? Das sind alles so Fragen die sich auftun. Darüber habe ich lange nachgedacht, zum Teil Gespräche und Diskussionen geführt und gemerkt, dass man diese Frage nicht einfach so beantworten kann, weil jeder dazu eine andere Sichtweise hat. Aber darf man diese Frage nicht auch einfach für sich selbst beantworten? Ich finde schon. Denn schließlich soll man ja generell im Leben nicht immer darauf hören was andere sagen, zumindest bekommt man das so beigebracht. Wenn man dann jedoch für sich selbst etwas festlegt, was mit einem großen Begriff und vielen Assoziationen behaftet ist, dann steckt man ganz schnell in einer Schublade, oder? Schnell fallen dann Sätze wie: ,,Jetzt nennt die sich Künstlerin und macht auf Picasso!?“.

Also doch wieder zurück zu den bescheidenen Wurzeln? Man bekommt als Kind beigebracht „Du musst nicht hinterher, wenn andere aus dem Fenster springen!“. Tust du es nicht und gehst deinen Weg, wirst du aber auch irgendwie ganz schnell als zu selbstbewusst, vielleicht auch als arrogant oder sogar als Sonderling bezeichnet bzw. betrachtet. Diese Beobachtung habe ich im Leben oft gemacht, sei es in der Schule oder während der Ausbildung oder sonst wo. Die Kreativen waren dann eben einfach mal die Verrückten. Die die sich gut auskannten mit einer Sache, waren Streber oder Nerds. Woran liegt das? Ich denke einfach, dass man ganz oft (so auch ich) einfach ein vorgezeichnetes Bild im Kopf hat. Sei es durch die eigene Erziehung, den Umgang den man hat, die Herkunft, Prägung, Erlebnisse oder den eigenen Alltag. Das alles macht die eigene Identität schließlich aus und das ist ja generell gut. Aber diese Indentität hemmt uns auch manchmal ein bisschen, wir alle kennen das. Man schaut irgendwann nicht mehr über den Tellerrand hinaus, weil man es vergisst und in seinem Leben gern mit allen anderen die bequeme Autobahn benutzt. Manchmal muss man diese Autobahn allerding verlassen und sich auf andere, eigene Wege machen. So entwickelt man sich weiter, lernt neue Dinge kennen, öffnet die Augen und kann sich auch manchen Fragen wieder widmen. Man kann diese Fragen vor allem wieder für sich selbst beantworten, ohne etwas nachzuerzählen oder mit anderen in ein Horn zu blasen und das alles mit einer großen Akzeptanz denen gegenüber, für die es okay ist auf der Autobahn zu fahren.

Mich unterscheidet nicht viel von jedem anderen Häkelfreund auf dieser Welt und dennoch empfinde ich mich selbst eher als Künstler, ich kreiere Einzigartiges.

Haar

1.Rd                      mg. Ring (6)

2.Rd                      jd. 1.fM verdoppeln (12)

3.Rd                      jd. 2. fM verdoppeln (18)

4.Rd                      jd. 3. fM verdoppeln (24)

5.Rd                      jd. 4. fM verdoppeln (30)

6.Rd                      jd. 5.fM verdoppeln (36)

Haar am Kopf annähen

Handarbeit war viele Jahrhunderte lang eine Notwendigkeit, um beispielsweise Wäsche und Kleidung herzustellen. Es gab, je nach Zeitalter, keine bis kaum Maschinen, mit denen man die Betriebe oder Familien hätte ausstatten können. Gewebt, gegerbt, genäht, gestickt oder gefärbt wurde mit der Hand und je mehr Geld man hatte, desto prunkvoller, aufwendiger und kunstvoller die Gewänder. Der Mensch hat es sich, unabhängig seiner Herkunft, schon immer mit seinen Mitteln schön gemacht, doch ohne Handarbeit hätte das nicht funktioniert. Im Zuge der Industrialisierung haben Maschinen Einzug gehalten und die Art, wie beispielsweise Kleidung schnell, effizient und günstig hergestellt werden konnte, drängte die Handarbeit mehr oder weniger in Großmutters Aussteuerkiste. Manche Berufe sind gar ausgestorben, Maschinen die Arbeit übernommen haben. Zudem wandelt sich die Mode in den letzten Jahrzehnten sehr schnell und was heute ein „must have“ ist, ist morgen längst „out“. Natürlich ist das überspitzt und ziemlich abgekürzt gesagt, dennoch hat es etwas Wahres.

Mit der Industrialisierung rückte die Notwendigkeit der Handarbeit mehr und mehr in den Hintergrund, wurde eher Hobby oder Volkskunst. Sie starb aber nie aus, passte sich an und entwickelte sich immer weiter und jetzt, auch mit wachsendem Umweltbewusstsein, steigt beispielsweise der Charakter der Notwendigkeit wieder. Man näht Taschen, häkelt Einkaufsnetze, stellt selbst Kleidung her und das alles mit innovativen oder ökologisch vertretbaren Materialien, um unseren Planeten zu bewahren. Auch steigert sich das Ansehen der Handarbeit in der Kunst und so hält beispielsweise das Häkeln Einzug, in die großen Ausstellungen dieser Welt, das angestaubte Image verliert sich.

Dutt

1.Rd                      mg. Ring (6)

2.Rd                      jd. 1.fM verdoppeln (12)

3.Rd                      jd. 2. fM verdoppeln (18)

4.Rd                      jd. 3. fM verdoppeln (24)

5.Rd                      jd. 4. fM verdoppeln (30)

6.Rd                      jd. 4. u. 5 fM abnehmen (24)

7.-8.Rd                 24fM (24)

9 x 20cm Fäden zu Zopf flechten und am Haar anbringen, Enden des Zopfes unterm Dutt verstecken, Dutt annähen und leicht füllen

Ich selbst habe an Handarbeit, vor allem ans Häkeln, den Anspruch mich persönlich auszudrücken und schönes zu entwerfen, Farben zu kombinieren und Formen bzw. Strukturen zu verbinden. Die Notwendigkeit rückt während meiner Projekte eher in den Hintergrund.

Die Handarbeit wird wieder sehr geschätzt, weil sie individuell ist, schnell auf persönliche Wünsche reagieren kann, weil sie einzigartig und vor allem auch nachhaltig ist und sie ist (so lange sie ehrlich ist) auch ethisch vertretbar.

Blüten und Blätter kann man aus Wollresten häkeln

Blüten 2x

1.Rd       mg. Ring 6fM (6)

2.Rd       4 LfM anschlagen, in 1., 2. u. 3. LfM vor der Nadel 1 hSt mit Kett-M. in mg. Ring abschließen à diesen Schritt noch 5x wiederholen, so entstehen Blütenblätter

                Die zweite Blüte wird genauso gehäkelt, nur fester, dann wird sie kleiner

Blätter 2x

6 LfM + 1 W-LfM + 1Kett-M + 1fM + 1 hSt + 1hSt + 1 fM

Punkte 2x

Magischer Ring 6 fM mit Kett-M schließen

Schlüsselring am Kopf anbringen

Die Frage ob man sich Künstler/in nennen kann, darf man sich selbst beantworten, wenn man sich im Vorfeld die richtigen Fragen stellt und sie sich auch ehrlich beantwortet. Ein Künstler zu sein bedeutet nicht Picasso zu heißen oder das Rad neu erfinden zu müssen. Ich muss weder reich, berühmt noch tot sein, um ein Künstler sein zu dürfen.

Im Teil 2 der bald erscheinen wird erfahrt ihr, was ich tue, um aus Phantasie Wirklichkeit werden zu lassen, wie ich so ein Häkelprojekt plane und was passiert, bevor ich überhaupt die Häkelnadel in die Hand nehmen..

In der Zeit könnt ihr gern die Gratisanleitung nacharbeiten und euch eure eigene kleine Frida häkeln.

8 Gedanken zu „Das „Frida-Projekt“ – Teil 1“

  1. Vielen Dank für den tollen Beitrag!💕 Ich finde auch, dass jeder, der so wundervolle Dinge erschafft wie du, sich Künstler nennen darf. Und deine Projekte finde ich immer besonders, weil sie so schön bunt und fröhlich sind und einfach Spaß machen. 🌈 Danke dafür!😘

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  2. Echt toll geschrieben…ich freue mich schon mega auf deine große Frida…ich liebe Frida Kahlo …..ich werd mein Pfingstfrei nutzen und mir eine kleine Frida häkeln…danke für die zuckersüße Anleitung…du bist toll und sehr talentiert 😘

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    1. Schön, dass du meinen Beitrag gelesen hast und er dir gefällt. Ich wünsch dir ganz viel Spaß, bei deiner Pfingsthäkelei 😄

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  3. Ich freue mich sehr , dass du und die kleine minifrida zur Verfügung stellst ♥️ Und bin auf deine große sehr gespannt !!🤗🤗. Vielen Dank für all deine süßen Anleitungen!!! Lg sendet dir Kerstin

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    1. Liebe Kerstin,
      Es freut mich immer sehr, wenn euch meine Anletungen und Beiträge gefallen und ihr meine Arbeit schätzt und verfolgt. Herzlichen Dank und liebe Grüße 🤗

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